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Queer News: Gender Studies, Lambdaistanbul, Gleichbehandlung & Entpathologisierung

Prinz Paula am 07. 12. 2008

  • Gender Studies in Hannover lösen sich auf
  • Gleichbehandlung: Kosmetik auch für männliche Gefangene
  • Entscheidung, Lambdaistanbul zu schließen, wurde gekippt!
  • In Schweden ist Transvestitismus keine Krankheit mehr

Gender Studies in Hannover lösen sich auf

Die schlechte Nachricht zuerst: Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Gender Studies“, Trägerin des gleichnamigen Studien- und Forschungsschwerpunkts an der Philosophischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover, hat ihre Auflösung beschlossen. Begründet wird die Auflösung damit, dass nach Streichung der einzigen voll denominierten Professur für Geschlechterforschung eine Weiterführung der Gender Studies in ihrer bisherigen Form ausschließt.
Quelle: per Mail, siehe auch Genderblog

Gleichbehandlung: Kosmetik auch für männliche Gefangene

In einem Gefängnis, in dem es verschiedene Gebäude für Männer und Frauen gibt, dürften Frauen von ihrem eigenen Geld monatlich für 30 Euro telefonieren und für 25 Euro Kosmetika einkaufen, Männer nicht. Der Antrag eines männlichen Gefangenen, ihm dies auch zu gestatten, wurde abgelehnt. Auch das Landgericht sah darin keinen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, da es sich “aufgrund der grundsätzlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht um
einen im wesentlichen vergleichbaren Sachverhalt handele.”
Das Bundesverfassungsgericht sah dies anders:

An das Geschlecht anknüpfende differenzierende Regelungen sind mit Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG nur vereinbar, soweit sie zur Lösung von Problemen, die ihrer Natur nach nur bei Männern oder nur bei Frauen auftreten können, zwingend erforderlich sind, oder eine Abwägung mit kollidierendem Verfassungsrecht sie legitimiert. Geschlechtsbezogene Zuschreibungen, die allenfalls als statistische eine Berechtigung haben mögen (Geschlechterstereotype), und tradierte Rollenerwartungen können danach zur Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen nicht dienen. Auch wenn das Interesse an Kosmetikprodukten in der Gruppe der Frauen verbreiteter oder häufiger stark ausgeprägt sein mag als in der Gruppe der Männer, handelt es sich nicht um ein von Natur aus nur bei Frauen auftretendes Interesse. Den Angehörigen eines Geschlechts kann die Befriedigung eines Interesses nicht mit der Begründung versagt werden, dass es sich um ein typischerweise beim anderen Geschlecht auftretendes Interesse handele. Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG schützt auch das Recht, unbenachteiligt anders zu sein als andere Mitglieder der Gruppen, denen man nach den in dieser Bestimmung genannten Merkmalen angehört.

Quelle: Presseerklärung des Bundesverfassungsgerichts
Diese Entscheidung sollte man im Hinterkopf behalten, denn wenn man vor ähnlichen Problemen steht, kann man sich darauf berufen (AZ 2 BvR 1870/07).

Entscheidung, Lambdaistanbul zu schließen, wurde gekippt!

Im Mai hatte ein Gericht in Istanbul die Schliessung der Lambdaistanbul LGBT Solidarity Association beschlossen, nachdem die Stadtverwaltung behauptet hatte, dass die Statuten von Lambdaistanbul gegen das Gesetz und die öffentliche Moral. Lambdaistanbul ging daraufhin vor das türkische Verfassungsgericht und bekam bei der Verhandlung letzte Woche recht.
Quelle: Lambdaistanbul

In Schweden ist Transvestitismus keine Krankheit mehr

Eine weitere gute Nachricht zum Schluss: Zusammen mit sechs weiteren “bisher-noch-Diagnosen” wird Transvestitismus am 1. Januar 2009 von der offiziellen Liste medizinischer Diagnosen in Schweden entfernt. Die weiteren Diagnosen, die bald gestrichen werden, sind Fetischismus, fetischistischer Transvestitismus, Sadomasochismus, Geschlechtidentitätsstörung in der Kindheit und multiple Störungen der sexuellen Präferenzen.

Damit soll vermieden werden, dass Vorurteile gegen sie verstärkt werden. Denn eigentlich dient das schwedische System der medizinischen Diagnosen dazu, Statistiken über das Gesundheitswesen zu erheben, aber Leute verstehen die gelisteten Einträge als offizielle Diagnosen. Insofern doppelt gut, dass die Einträge gestrichen wurden: zum einen ein Schritt in Richtung Entpathologisierung, zum anderen ist mir immer unwohl, wenn Statistiken dieser Art erstellt werden. Schön wäre es, wenn sich das auch international durchsetzen würde.
Quelle: The Local